Tipp: RECHNUNG.de - flexibles Factoring für Freiberufler, Selbstständige, kleine & mittlere Unternehmen
Tipp: RECHNUNG.de - flexibles Factoring für Freiberufler, Selbstständige, kleine & mittlere Unternehmen

Marktanalyse: Factoring legt weiter zu

FactoringPilot.de | letztes Update: 24.04.2018

Auch 2017 konnte Factoring in Deutschland erneut ein deutliches Wachstum erzielen, das achte Jahr in Folge. Bei den Mitgliedern des Deutschen Factoring-Verbandes e.V., der nun die Jahresbilanz für 2017 vorlegte, stiegen die Umsätze um 7,2 Prozent auf nunmehr 232,4 Milliarden Euro.

Mehr Kunden und höheres Finanzierungsvolumen

Die Anzahl der Kunden, die 2017 Factoring zur Finanzierung nutzten, stieg um 33 Prozent auf rund 36.000. Der Deutsche Factoring-Verband konnte sieben neue Mitglieder verzeichnen und bildet damit nach eigenen Angaben mittlerweile 98 Prozent des deutschen Marktes ab.

Die Jahresbilanz des Verbandes zeigt auch eine deutliche Erhöhung des Finanzierungsvolumens beim Forderungsverkauf. Das Umsatzvolumen der Mitglieder des Deutschen Factoring-Verbandes wuchs um 7,2 Prozent auf 232,4 Mrd. Euro. Dabei lagen die Zuwächse im nationalen Geschäft (plus 7,8 %) und dem internationalen Geschäft (plus 5,6 %) relativ eng beieinander, wobei das nationale Geschäft 2017 gegenüber 2016 deutlicher zulegt.

Im ersten Halbjahr 2017 lag der Anstieg des Umsatzvolumens sogar bei 8,4 Prozent. Dieser Wert ließ sich für das Gesamtjahr aber nicht halten. Als Grund dafür wird die starke Konkurrenz durch Banken gesehen, die auf den Markt reagieren.

Dabei finanzierten 93 Prozent der Kunden, vor allem mittelständische Unternehmen und Gewerbetreibende, ein Factoring-Volumen von bis zu 10 Millionen Euro. Aber auch Großunternehmen und Konzerne setzen Factoring ein, was sich auch daran ablesen lässt, dass lediglich zwei Prozent der Nutzer 24 Prozent des gesamten Factoring-Volumens generieren. Bei ihnen lagen die Finanzierungsvolumen allesamt über 50 Millionen Euro.

Rekordwert: Factoring-Quote erstmals über 7 Prozent

Die Factoring-Quote lag in Deutschland 2017 bei 7,1 Prozent und überstieg damit erstmals die 7-Prozent-Marke. Die Factoring-Quote zeigt das Verhältnis zwischen dem angekauften Forderungsvolumen der deutschen Factoring-Anbieter und dem Bruttoinlandsprodukt an. Dieses konnte sich im Vergleich zu 2016 um 2,2 Prozent verbessern, wovon die Factoring-Branche überproportional profitieren konnte.

Nach Einschätzung des Deutschen Factoring-Verbandes e.V. sind bei der Factoring-Quote zwar Konsolidierungstendenzen zu erkennen, eine Marktsättigung ist aber noch nicht erreicht. Im Vergleich zu anderen europäischen Märkten besteht durchaus noch Entwicklungspotential: Die Factoring-Quote in Italien liegt bei 12 Prozent, in Großbritannien und Spanien bei 11 Prozent.

Kaum Veränderung bei den Schwerpunktbranchen

Nach wie vor sind Handel und Handelsvermittlung (24,6 %), die Herstellung von Metallerzeugnissen und Maschinenbau (9,5 %) sowie Dienstleistung (9 %) die Branchen, die Factoring am intensivsten nutzen. Den größten Zuwachs im Vergleich zum Vorjahr haben Fahrzeugbauer (7,7 %), Chemieproduzenten (5,9 %) und Unternehmen aus dem Gesundheitswesen (4,8 %). Gleich zwei Plätze im Gesamtranking stiegen Elektronik und elektronische Bauelemente (5,8 %) auf und liegen damit nun auf Rang 7.

Inhouse-Factoring nach wie vor Spitzenreiter

Mit rund 77,4 Prozent (2016: 77,8 %) dominiert Inhouse-Factoring in Bezug auf das Umsatzvolumen nach wie vor den Markt. Full-Service-Factoring legte erneut zu und liegt damit nun bei 16,1 Prozent (2016: 15,3 %), was sich nach Einschätzung des Deutschen Factoring-Verbandes mit der Zunahme beim mittelständischen Factoring-Engagement erklären lässt. Einen leichten Rückgang verzeichnet dagegen das Fälligkeits-Factoring, das 2017 nur noch bei 6,5 Prozent lag (2016: 6,9 %).

Boom beim B2C-Factoring

Das B2C-Factoring, bei dem Forderungen an Privatkonsumenten finanziert werden, ist zwar nach wie vor ein Nischenmarkt, konnte seine Umsätze aber 2017 mit 12,2 Milliarden Euro fast verdoppeln. Dagegen nahm das Reverse-Factoring, bei dem nicht der Lieferant, sondern der Abnehmer von Waren und Dienstleistungen die Forderung verkauft, um ganze 31,4 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro ab. Für den Deutschen Factoring-Verband ist hier noch fraglich und bleibt abzuwarten, ob es sich dabei um eine Trendwende bei diesem etablierten Finanzierungsmittel zur Absicherung von Lieferantenbeziehungen handelt oder ob es 2017 nur ein „einmaliger statistischer Effekt aufgrund von gesellschafts- und produktspezifischen Veränderungen“ war.

  • Full-Service Factoring
    Umsatzkongruente Finanzierung, vollständige Risikoabsicherung (für den Delkrederefall) und Übernahme des Debitorenmanagements
  • Inhouse-Factoring
    Übernahme der Finanzierungs- und Delkrederefunktion. Das Debitorenmanagement, treuhänderisch für den Factor, verbleibt in der Hand des Factoring-Kunden.
  • Fälligkeits-Factoring
    Vollständige Absicherung gegen das Ausfallrisiko und Entlastung beim Debitorenmanagement – ohne dass der Kaufpreis sofort fällig wird.
  • Sonstiges Factoring
    Zum Beispiel Factoring von konzerninternen Umsätzen oder Forderungen aus der Refinanzierung anderer Factoring-Institute. (2017: 1,6 Mrd. Euro, hier im Factoring-Gesamtvolumen von 232,4 Mrd. Euro nicht erfasst)

Zuwachs beim internationalen Geschäft

Ein erneutes Plus von über fünf Prozent konnte das internationale Factoring 2017 verzeichnen. Das Im- und Export-Factoring nahm insgesamt um 5,6 Prozent auf nunmehr 71,8 Milliarden Euro zu, das ist ein neuer Höchstwert für die Branche.

  • Export-Factoring: 68,1 Mrd. Euro
    Zuwachs: 5,6 %
  • Import-Factoring: 3,7 Mrd. Euro
    Zuwachs: 5,5 %

Einige Veränderungen gab es beim Ranking der wichtigsten Partnerländer. Hier sind Osteuropa und die Beneluxstaaten zwar unverändert auf den Spitzenplätzen, eine Überraschung findet sich mit Großbritannien aber gleich auf Platz 3. Das Vereinigte Königreich konnte sich trotz drohendem Brexit im Vergleich zum Vorjahr um gleich drei Plätze verbessern. Als Indikator für eine stabile Eurozone wird vom Deutschen Factoring-Verband auch die Bilanz der Geschäftsbeziehungen zu Frankreich gewertet, das sich stabil auf dem vierten Platz hält.

Prognose für 2018

Aus den Daten der Bilanz für 2017 lässt sich schließen, dass die Factoring-Anbieter im Vergleich zum Vorjahr einheitlicher gewachsen sind. Die Prognose der Mitglieder des Deutschen Factoring-Verbandes für das laufenden Jahr 2018 fällt allerdings etwas verhalten aus: Mit einer „sehr guten“ Entwicklung rechnen nur knapp drei Prozent, rund 41 Prozent mit einer „guten“. Über die Hälfte (55 %) gehen dagegen nur von einer „befriedigenden“ Entwicklung aus. Ein Erklärungsversuch des Verbandes für dieses Umfrageergebnis ist die „zunehmende Regulatorik auch in Randbereichen der Branche“.

Hier den vollständigen Jahresbericht 2017 des Deutschen Factoring-Verbandes als PDF (3,35 MB) herunterladen.

 

AUF EINEN BLICK – Der deutsche Factoring-Markt 2017

 

Factoring-Volumen 2017

Factoring-Volumen insgesamt: 232,4 Mrd. Euro
Factoring-Volumen national: 160,6 Mrd. Euro
Factoring-Volumen international: 71,8 Mrd. Euro
Factoring-Quote: 7,1 Prozentpunkte

Anzahl Kunden: 36.280
Zuwachs: rund 7 %

Anzahl Debitoren: 7,6 Mio.
Zuwachs: 33,1 %
Anzahl Debitoren je Unternehmen: 170 bis 1.985.000

 

Art des Factorings

Export-Factoring: 68,1 Mrd. Euro
Import-Factoring: 3,7 Mrd. Euro

Inhouse-Factoring: 126,8 Mrd. Euro
Full-Service-Factoring: 26,4 Mrd. Euro

Fälligkeits-Factoring: 10,6 Mrd. Euro
durchschnittliche Forderungslaufzeit: 40,4 Tage

B2C-Factoring: 12,2 Mrd. Euro
Reverse Factoring: 1,9 Mrd. Euro

 

TOP 10: Schwerpunktbranchen 2017

Platz 1: Handel und Handelsvermittlung (24,6 %)
Platz 2: Herstellung von Metallerzeugnissen und Maschinenbau (9,5 %)
Platz 3: Dienstleistungen (9 %)
Platz 4: Fahrzeugbau (7,7 %)
Platz 5: Herstellung von chemischen Erzeugnissen (5,9 %)
Platz 6: Metallerzeugung und Metallverarbeitung (5,9 %)
Platz 7: Elektronik und elektronische Bauelemente (5,8 %)
Platz 8: Ernährungsgewerbe (5,5 %)
Platz 9: Gesundheitswesen (4,8 %)
Platz 10: Herstellung von Gummi- und Kunststoffwaren (3,7 %)

 

TOP 5: Länderranking – die wichtigsten Märkte
1. Osteuropa
2. Benelux
3. Großbritannien
4. Frankreich
5. Österreich

 

Auch interessant:

Tipp: RECHNUNG.de